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Louis 'Satchmo' Armstrong
100 Jahre King of Jazz 4.7.1900 - 4.7.2000

 

Nun muss denn doch ein wenig aus diesem Leben erzählt werden, vom Werdegang eines Künstlers, dem es wie nur wenigen anderen gelungen ist, sich den "amerikanischen Traum" zu erfüllen; der wie Benny Goodman und Georg Gershwin aus Armut und Armseligkeit, aus dem schwarzen oder jüdischen Ghetto heraus wollte. Alle strebten sie aus dem Dunkel ans Licht und erreichten den Platz, der ihnen zustand - auf der Sonnenseite des Lebens ... On The Sunny Side Of The Street.

Louis Armstrong ist eine Jahrhundert- Gestalt, und er ist es in einem handfesten wie in einem überhöhtem Sinn. Er kommt, wie er selbst behauptet am 4. Juli 1900, doch in Wirklichkeit gem. Taufurkunde, am 4. August 1901 zur Welt. Das sind nicht nur 2 Daten, sondern auch ein Signal. Auf zweierlei deutet der Geburtstag hin, auf die amerikanische Unabhängigkeitserklärung und auf den Beginn dieses, unseres Jahrhunderts. Obgleich das Pompöse und das Tiefsinnige in Armstrongs Sache gewesen sind, haben Geburtstag und Geburtsdatum inzwischen fast den Schimmer des Symbolischen angenommen, sprechen von Freiheit und Neubeginn, von Tradition und Zukunft.

Louis Armstrong stammt noch ganz aus der Welt des Show-Business, hat noch ganz seine Wurzeln im ungebrochenem Entertainment des vorigen Jahrhunderts. Schon daheim in seiner Geburtsstadt, in New Orleans, gleich nach der Jahrhundertwende, das uns heute wie ein ständiges Durcheinander von Karnevalsumzügen und Beerdigungen, von Hafenkneipen und Freudenhäusern erscheint, hatte man aufgehorcht, wenn er zu spielen begann. Ein geradezu abenteuerliches Ereignis war äusserlich Anlass, wenn auch sicher nicht die Ursache, für Armstrongs Musikerlaufbahn. Als er am Neujahrsabend 1913 eine alte Armeepistole auf der Strasse abfeuerte, wurde er von der Polizei geschnappt, in eine Fürsorgeanstalt gesteckt, und hier lernte er Cornet spielen. Weil er so einen grossen Mund hatte, gab man ihm bald den Spitznamen "Satchelmouth", also Schlüsselmaul. Satchmo hat er sein Leben lang geheissen, heisst er auch heute noch in der Erinnerung.

Er fing an, Cornet zu blasen, als er noch kurze Hosen trug, und der wilde Schlagzeuger Black Benny hatte ihn immer mit einem Taschentuch wie mit einer Hundeleine an sich gebunden, damit er im Gedränge nicht verloren ging. So musizierten sie in allen Vergnügungs-Etablissements des geradezu musiksüchtigen Mississippi-Hafens, spielten auf in Kneipen, bei den festlich fröhlichen Karnevals-Umzügen und auch bei Beerdigungen. Ein zweites Bild steigt aus den Tiefen der Vergangenheit: Es war im Juli 1922, da traf ein etwas pummelig wirkender jungen Mann aus dem Süden in der Grossstadt Chicago ein. Er trug einen altmodischen braunen Anzug, einen Strohhut und gelbe Schuhe. Alles lächelte ein wenig, aber Jo Oliver, der grosse King Oliver, hatte ihn aus seiner Heimatstadt New Orleans nachkommen lassen, weil er einen zweiten Cornetisten für seine Creole Jazz Band brauchte. Und er wusste ja immer, was er tat. Louis Armstrong hatte sich auf den Weg gemacht. Früh kommt der Ruhm, löst Armstrong sich von Oliver, wird selbst Chef. Hot Five und Hot Seven werden zu Meilensteinen der Jazzgeschichte. Bald schon nennt man ihn den "ersten Trompeter der Welt", und die Erfolgsstrasse führten aus der grossen Stadt Chicago in die Grossstadt New York, in den Big Apple. Längst hatte Armstrong das Cornet an den Nagel gehängt und gegen die schlanke Trompete vertauscht. Auch das Musizieren in den kleinen Gruppen im traditionellen Jazz gibt er auf, stellt sich, den Zeichen der Zeit folgend, als Virtuose vor die Big Band.

Unvergesslich sind Aufnahmen mit seinen All Stars und seiner rauchigen einzigartigen Stimme, die ihn unverkennbar machte.

Schon damals ist er beides: Ein Jazzmusiker, der sich in den Tiefen des Blues heimisch fühlt und ein Entertainer von der ach so seltenen Art, die ihrem Publikum Freude machen will. Die Leistung dieses Lebens ist und bleibt erstaunlich. Da ist einer als junger Bursche auf den Thron geklettert und sein Leben lang oben geblieben.
Nur wenige Könige schaffen, was Satchmo schaffte...der King of Jazz.

Otto Andrae

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